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jahr1:kontaktunterbrechungen

Kontaktunterbrechungen

Schlagworte

Kontakt, Projektion, Retroflektion, Introjektion, Konfluenz, Deflektion

Einsatz in der CoreDynamik

Kontaktunterbrechungen werden im Rahmen der Diagnostik berücksichtigt, um zu prüfen, auf welche Weise die Kontaktfähigkeit eines Menschen eingeschränkt ist und erweitert werden kann.

Definition

Kontaktunterbrechungen charakterisieren sich durch die dysfunktionale Verschiebung der Grenze zwischen eigenem Erleben und der Wirklichkeit des Gegenübers.

Bild

Erläuterung

Das Konzept der Kontaktunterbrechungen stammt aus der Gestalttherapie, für die Kontakt ein zentraler Fokus darstellt.

Projektion

Das Individuum nimmt nicht das Objekt wahr, sondern etwas eigenes. Die Grenze liegt zu weit außen. Bildhaft kann man sich vorstellen, dass das Subjekt unbewusst eine Leinwand zwischen sich und dem Gegenüber aufspannt und darauf eigene Konzepte und Gefühle projiziert, anstatt wahrzunehmen oder zu erforschen, was die andere Person tatsächlich denkt und fühlt. Beispiel: „Die kann mich bestimmt nicht leiden, weil ich rote Haare habe.“ Diese, meist unbewusste Projektion beeinflusst das Verhalten gegenüber der betreffenden Person, in diesem Falle in Form von Misstrauen.

Retroflektion

Reaktionen auf das Verhalten eines Gegenübers werden nicht ausgedrückt, sondern auf sich selbst zurück gerichtet. Die Grenze ist nach Außen hin zu stark. Bildhaft ausgedrückt prallt ein abwehrender Impuls innen an der eigenen Grenze ab und wirkt auf die Person selbst zurück. Gefühle werden „heruntergeschluckt“, anstatt sie zu äußern. So könnte die Abgrenzung gegenüber einer Beleidigung in Form eines klaren: „Nein, so bin ich nicht!“ ausbleiben und stattdessen hassen wir uns selbst.

Introjektion

Äußerungen eines Gegenübers werden unkritisch übernommen und als eigenes Konzept wahrgenommen. Die Grenze liegt zu weit Innen. Bildhaft ausgedrückt ist die eigene Wirklichkeit ohne schützende Grenze den Einflüssen eines anderen ausgesetzt. Als Kinder übernehmen wir selbstverständlich die Konzepte unserer Eltern und Bezugspersonen von der Welt und auch über uns, denn so lernen wir. Als Erwachsene können solche Konzepte weiterhin wirksam sein, obwohl sie dysfunktional sind. Ein Beispiel wäre der Satz „Freche Mädchen finden keinen Mann“, der eine gestandene Frau unbewusst davon abhält, frei ihre Meinung zu äußern.

Deflektion

Nährende Erfahrungen und Kontakte können nicht angenommen werden. Die Grenze ist zu stark. Wir können uns eine Grenze mit „Lotuseffekt“ vorstellen, an der Impulse abperlen und somit nicht hereingelassen und verwertet werden können. Ein typisches Beispiel ist die Bewertung eines Kompliments als „Der will doch nur nett sein, das hätte er jetzt zu jedem gesagt.“ Erfahrungen, die nährend sein könnten, laufen in’s Leere.

Konfluenz

Die eigene Welt und die des Gegenübers fließen ineinander. Die Grenze ist schwach oder löst sich auf. Bildhaft gesprochen zerfließen wir in Mitleid über den Schmerz eines anderen. Oder wir verschmelzen in Zärtlichkeit mit dem Geliebten.

Besonderheiten in der CoreDynamik

Wir werten Kontaktunterbrechungen als normale Gegebenheiten, die entstehen, wenn ein Individuum in einer komplexen Welt aufwächst, und sich dort bewegt. Die Bestrebung ist, ein Bewusstsein dafür zu entwickeln und die Fähigkeit zu schulen, die Kontaktfähigkeit zu erweitern.

Hier weiterlesen

Bernhard Mack, 2001. CoreDynamik. Wege zum Kern. Paderborn: Junfermann

Hilario Petzold, 2004. Integrative Therapie. Modelle, Theorien und Methoden schulenübergreifender Psychotherapie. 2. Auflage. Paderborn: Junfermann. Autorin dieses Artikels: Christina Rakebrandt

Fragen und Antworten

jahr1/kontaktunterbrechungen.txt · Zuletzt geändert: 2017/12/21 09:01 (Externe Bearbeitung)