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jahr1:pacing_leading

Pacing und Leading

Schlagworte

Führen, Folgen, NLP, Neuro-Linguistisches Programmieren, Rapport

Einsatz in der CoreDynamik

Vom ersten Ausbildungsmodul an (1.1_Kontakt) ist das Bewusstsein von Pacing und Leading ein Grundaspekt in den Begleitungsübungen der TeilnehmerInnen

Definition

Beim Pacing folgt der Berater dem Klienten inhaltlich und energetisch in seine Welt, um ihn dort abzuholen, während er beim Leading in Führung geht und den Prozess durch den Rahmen, durch inhaltliche Impulse oder Rückmeldungen lenkt.

Erläuterung

Die Benennung des humanistischen Ansatzes des Wechsels von Führen und Folgen in der therapeutischen Arbeit mit den Begriffen „Pacing“ und „Leading“ stammt aus dem Vokabular des NLP (Neuro-Linguistisches Programmieren). Pacing bedeutet übersetzt soviel wie „Schritt halten“. Der Begleiter stellt sich auf das Energielevel des Klienten ein. Das kann geschehen über Körperhaltung und Mimik, Atmung und Stimmlage und / oder durch Sprechtempo und Wortwahl. Es ist nachgewiesen, dass diese Angleichung der Schwingung und Haltung ganz natürlich geschieht, wenn zwei Menschen sich sympathisch finden und sich vertrauen. Indem der Coach oder Therapeut sich bewusst auf seinen Klienten einstellt, macht er es diesem leichter, Vertrauen zu fassen und sich zu öffnen. Gelingt dies, sagt man auch „Therapeut und Klient befinden sich in einem guten Rapport“ (französisch: Beziehung, Verbindung). Auf inhaltlicher Ebene bedeutet Pacing, dass der Therapeut dem Klienten zunächst in seine Gedanken- und Gefühlswelt folgt, indem er Raum gibt, lauscht und sich in seinen Klienten einfühlt, um von hier aus Impulse für den Prozess zu entwickeln.

An geeigneter Stelle übernimmt der Therapeut das Leading und wirkt steuernd auf den Prozess ein. Dies beginnt beim Setzen und Halten des Rahmens (zeitlich, räumlich, methodisch). Während des Prozesses bietet der Therapeut aus seinem Sachverstand heraus oder auch intuitiv Impulse an. Das kann eine Übung sein („Bist du bereit für ein Experiment?“) oder auch eine Resonanz („Das fühlt sich für mich schwer an.“), eine Frage („Kann es sein, dass es Dir besonders leicht fällt, …?) oder das locken von Gefühlen („Du bist ganz berührt, oder?“). Auch der Abschluss des Prozesses mit dem Sammeln der Erkenntnisse und dem Ankern der wichtigsten Erfahrungen ist ein Aspekt des Leadings.</font>

Besonderheiten in der CoreDynamik

Bei CoreDynamik legen wir sehr viel Wert auf das Bewusstsein, dass sich die Realitäten von Individuen, so auch von Berater und Klient, signifikant unterscheiden können.

Erste Aufgabe des Begleiters ist daher, sich in die Welt des Klienten einzufühlen. Es handelt sich um eine Haltung, die gekennzeichnet ist durch einfühlendes Mitgehen, Verständnis, Akzeptanz und Empathie. Ein ganzheitliches Wahrnehmen der Erlebniswirklichkeit des Klienten und ein respektvolles Annehmen und Anerkennen seiner subjektiven Realität. Sehr genau zuhören, was der Klient sagt und wie er es sagt. Auf die Körperhaltung schauen, auf ein Vertiefen oder flacher werden der Atmung, auf Zeichen emotionaler Aktivierung. Dafür geben wir dem Klient Raum zu entwickeln, was ihn grade beschäftigt, welche Bedeutung das für ihn hat und welche Auswirkung auf sein Denken, Fühlen und Verhalten.

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Während wir mit allen Sinnen aufmerksam beobachten, lauschen wir zugleich auf unsere Intuition: Wo ist Energie gebunden? Wo spüren wir Kraft? Was ist hier von Bedeutung? Wir gehen mit, gedanklich und energetisch und schauen durch das Erleben des Klienten in die Welt. Zugleich stellen wir sicher, dass wir richtig verstehen, indem wir Rückfragen stellen („Das ist wichtig für dich, oder?“), indem wir seine Gefühle zu einer Situation ansprechen und einladen („Da ist ganz viel Berührung, oder?“) oder indem wir zusammenfassen, was bedeutsam erscheint („Verstehe ich richtig, dass …). Dabei geht es nicht um Konfluenz, denn bei allem Einfühlen und auch Mitfühlen belässt der Therapeut die Verantwortung für sein Leben beim Klienten und traut diesem zu, seine Situation zu bewältigen und daran zu wachsen. Der Klient bekommt durch Rückfragen, Wiederholen und Spiegeln eine neue Perspektive auf seine Situation, sowie die Gelegenheit, unser Verständnis zu bestätigen oder zu korrigieren und die Einladung, tiefer in sein Erleben einzutauchen.

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Während des Pacings bemerken wir es, wenn uns ein bestimmtes Modell oder eine Arbeitsmethode einfallen, die sich besonders eignen das Erleben und das Anliegen des Klienten aufzugreifen und zu beforschen. Oder wir haben die Intuition, dass eine bestimmte Frage oder ein tieferes Hineintauchen an einem Punkt hilfreich sein könnten. Oder wir verbinden zwei Erzählfäden des Klienten und fragen, wie diese zusammen gehören. Oder, oder, oder … es ist eine Kunst, geduldig zu sein und zu lauschen, bis ein wertvoller Impuls kommt.

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Wir bieten dem Klienten diesen Impuls an und wechseln damit in’s Leading. Es ist ein dosiertes Eingreifen und Zupacken im richtigen Moment. Dies geschieht tatsächlich in der Haltung eines Angebots, da wir niemals davon ausgehen, dass wir besser wissen als der Klient, was gut für ihn ist (Der Klient hat immer Recht!).

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Die Haltung des Anbietens ist zugleich eine immense Entspannung für den Begleiter, denn so können wir sehr kreativ und intuitiv Vorschläge machen in der selbstverständlichen Haltung, dass wir weder wissen können, noch müssen, ob dies nun der allerbeste nächste Schritt ist. Bei aller Offenheit gehört es zum Leading auch dazu, Impulse selbstbewusst und zuversichtlich zu geben, denn dies gibt Sicherheit und Vertrauen.

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Wir nehmen den Klienten als Gegenüber und als Experte für seine Realität ernst und geben ihm zugleich im Rahmen der Begleitungssituation die Gelegenheit, in Ruhe nachzuspüren, wie sich etwas für ihn anfühlt. Eine Schulung der Selbstaufmerksamkeit und der Gestaltung von Situationen für den Klienten, während der Begleiter wieder in’s Pacing geht. Es ist ein partnerschaftliches Arbeiten, denn oftmals ergibt sich dann aus der Reaktion des Klienten auf einen Impuls die Richtung, wie es wirklich sinnvoll weiter gehen kann. Oder der Klient gewinnt anhand seiner Verarbeitung des Impulses wertvolle Erkenntnisse.

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Zum Ende eines Settings hin ist es die Leading-Aufgabe des Begleiters, genügend Raum für die Prozessreflektion und das bewusste Ankern wichtiger Ergebnisse zu reservieren. Ankern meint, dass eine neue Erkenntnis einen stimmigen und bewussten Platz in der Referenzwelt des Klienten erhält und Wirksamkeit für dessen Denken, Fühlen und Verhalten entfalten kann. Dies geschieht z.B., indem der Klient einer Empfindung eine stimmige Geste zuordnet oder einen Platz im Körper. Oder auch durch Verbalisieren und das Herstellen von Bezügen zu konkreten Situationen („Und was bedeutet das, was du jetzt erlebt hast für deinen Alltag?“).

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Mithilfe der Prozessreflektion und der Integration begleiten wir den Klienten aus dem oftmals emotionalen Prozesserleben zurück auf Erfahrungsdimension I (Denken, Verstehen, Konzepte), runden damit den Prozess ab und stellen nicht nur den Transfer der Erkenntnisse sicher, sondern auch dass der Klient wieder „aufgetaucht“ ist und das Setting des Coachings, der Therapie oder des Trainings im Alltagsbewusstseins wieder verlässt.

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Bernhard Mack, 2000. Führungsfaktor Menschenkenntnis. Landsberg/Lech: Verlag Moderne Industrie Autorin dieses Artikels: Christina Hennig

Fragen und Antworten

jahr1/pacing_leading.txt · Zuletzt geändert: 2020/08/15 16:08 von c.rakebrandt