ED I: denken, verstehen, Konzepte, Modelle, Sprache

Schlagworte

Verstehen, Denken, Gedanken, Kognition, Konzepte, Modelle, Sprache, Rollen

Einsatz in der CoreDynamik

Das Modell der sechs Erfahrungsdimensionen, früher Tiefungsebenen genannt, ist eines der zentralen Modelle in der CoreDynamik. Es gibt grundlegende Orientierung für jedes CoreDynamik-Format, vom Coaching über Therapie bis zu Seminaren und Workshops.

Definition

Erfahrungsdimension I umfasst die Funktionen unseres Alltagsbewusstseins. Auf dieser Ebene orientieren wir uns in der Welt, bewerten Situationen und steuern unser bewusstes Verhalten gemäß der Normen und Rollenkonzepte, die wir akzeptieren.

Erläuterung

ED I: denken, verstehen, Konzepte, Modelle, Sprache

Denken, Einordnen und Verstehen sind grundlegende Orientierungsfunktionen unseres Alltagsbewusstseins. Wir bewegen uns in einer Welt, die durch Normen und Rollenkonzepten organisiert ist und bewerten unsere eigenen Optionen, sowie das Verhalten anderer in Dimensionen wie „richtig“ und „falsch“. Einerseits gewinnen wir dadurch Sicherheit im selbstverständlichen normengerechten Kontakt mit anderen (Beispiel: Wenn mir jemand vorgestellt wird, bin ich freundlich und gebe der Person die Hand). Zugleich schränken diese unbewussten Konzepte von „erlaubt“ und „nicht erlaubt“ unsere eigene Ausdrucksfähigkeit ein und sind Nährboden für Schubladendenken und Klischees, die wir auf andere anwenden.
Auch unsere Fähigkeit, die Vergangenheit zu reflektieren und zu bewerten, sowie die Zukunft zu antizipieren und zu planen gehört in diese Erfahrungsdimension und macht uns Menschen im Vergleich mit anderen fühlenden Wesen besonders. Tiere denken nicht über die Vergangenheit nach und planen auch nicht die Zukunft. Wir Menschen hingegen können sinnhafte Zusammenhänge herstellen zwischen dem was war, dem was jetzt ist und dem, worauf wir uns zubewegen. Unsere Gedanken an Vergangenheit und Zukunft ziehen jedoch unsere Aufmerksamkeit aus der Gegenwart, aus dem „Hier und Jetzt“ ab. Doch nur in der Gegenwart haben wir Zugang zu den anderen Erfahrungsdimensionen, die uns in Kontakt bringen mit unserer eigenen Lebendigkeit und mit dem, was uns gerade real umgibt, sowie mit der Person, die uns gerade im diesem Moment gegenüber sitzt. Unsere Kern-Forschungsfrage, um von Erfahrungsdimension I aus das Gewahrsein für den lebendigen Moment herzustellen lautet: „Was ist jetzt?“. Diese Intervention aus der Gestalttherapie lenkt unser Bewusstsein in die Gegenwart und damit in unsere Realität. Wir sprechen damit unser „Zeugenbewusstsein“ an, das unsere inneren Vorgänge, wie auch solche im Außen beobachtet und einordnet.
Sprache ist ein wesentliches Medium der Erfahrungsdimension I und eines der zentralen Werkzeuge in der Begleitung von Menschen. Nicht selten entdecken oder erlernen Klientinnen oder Klienten in der Begleitung wesentliches Vokabular, mit dem sie z.B. Gefühle, Körperempfindungen oder Beziehungsgeschehen beschreiben können. Neben dem bewussten Einsatz von Sprache ist die innere Einstellung einer beratenden Person zu ihrer Klientin oder ihrem Klienten wesentlich für das Gelingen eines Beratungsgespräches. Prägend für die Haltung, aus der heraus ein Coach oder eine Therapeutin den Rahmen schaffen kann, in dem Menschen sich selbst begegnen und sich auch zeigen können, ist Carl Rogers, der Begründer der Klientenzentrierten Gesprächstherapie. Drei wesentliche Schlagworte sind hier Kongruenz, Empathie und Wertschätzung.
Einen speziellen Fokus auf Sprache legten Richard Bandler und John Grinder, die beiden Begründer des Neurolinguistischen Programmierens (NLP). Sie gehen davon aus, dass wir durch die Sprache, durch die Beschreibung unserer Wahrnehmung der Welt also, eine Repräsentation dieser schaffen, ein Abbild unserer Erfahrung. Dieser Prozess wirkt in beide Richtungen. Denn indem wir sprachlich mitteilen, was wir empfinden, formen wir durch die Art der Beschreibung wiederum rückwirkend unsere Erfahrung selbst und beeinflussen damit auch unsere Weltwahrnehmung (s. Dilts 2011, S. 19). Diese Bedeutung von Sprache verdient besondere Beachtung in der Belgeitung von Menschen.
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Besonderheiten in der CoreDynamik

Orientierung und Einordnung geben uns Sicherheit. Anders als zum Beispiel in der Gestalttherapie, setzen wir bei CoreDynamik regelmäßig Modelle ein, in denen ein Mensch sich verorten kann. Eine solche Orientierung kann ein hilfreicher Ausgangspunkt, wie auch ein sinnvoller Abschluss für Erfahrungsprozesse sein. Auf einer Zugfahrt können wir uns entspannt zurück lehnen, wenn wir wissen, wo wir eingestiegen sind, wo wir hin fahren, auf welcher Strecke wir uns bewegen und wie lange die Reise dauert. Eine solche Einordnung hilft uns auch, wenn wir Entdeckungsreisen in die Welt unserer Gefühle oder in andere Dimensionen des Bewusstseins unternehmen. Zumal tiefe Erfahrungen für sich genommen nur bedingt heilsam oder grundlegend verhaltenswirksam sind, wenn sie nicht kognitiv und möglichst dialogisch aufbereitet werden. Daher arbeiten wir in der CoreDynamik häufig mit Modellen (z.B. mit dem Rad des Lebens / den Stabilitätssäulen oder mit den Grundüberzeugungen), innerhalb derer wir unsere individuelle Weltwahrnehmung, unsere Bedürfnisse, unser Verhalten und unsere Erfahrungen einordnen können und in Beziehung setzen zu der Perspektive anderer Menschen.
Jeder Prozess in der CoreDynamik beginnt mit dem verstehenden Einordnen und endet mit dem verstehenden Einordnen. Wir beginnen mit der Orientierung, wo die Reise beginnt und wie der Fahrplan ist. Wir erfassen, wie die Gedanken eines Klienten zum Thema sind, welche Werte, Vorstellungen und Konzepte wirksam sind und gehen von dort aus je nach Anliegen und Möglichkeiten weiter in das Erforschen der andern Erfahrungsdimensionen.
Auch in Prozessen, die vornehmlich auf Gefühlsebene oder von intuitivem Erleben gekennzeichnet sind, ist die Erfahrungsdimension 1 in Form des Zeugenbewusstseins immer relevant, wobei hier das Bewerten zugunsten des möglichst wertfreien Beobachtens in den Hintergrund tritt.
Und wir enden mit einem Rückblick. Erkenntnisse, die in der Prozessarbeit gewonnen werden, ordnen wir verstehend ein, dokumentieren sie gegebenenfalls und bringen sie damit wiederum auf Erfahrungsdimension 1. So können sie bewusst gemacht werden, sie werden im Gedächtnis in gut abrufbarer Form gespeichert und stehen uns im Alltag zur Verfügung. Wir erinnern uns lange daran und erhalten damit nachhaltige Wirksamkeit auf Wahrnehmung und Verhalten. Sonst, so Bernhard Mack, bleiben diese Erfahrungen Eintagsfliegen (Mack, 2001 S. 65).
Unser Denken, unsere bewussten Werte und Konzepte sind der Zugang in jeden Prozess, ob in

Hier weiterlesen

Bernhard Mack, 2001. CoreDynamik. Wege zum Kern. Paderborn: Junfermann
Hilarion Petzold, 2004. Integrative Therapie. Modelle, Theorien und Methoden schulenübergreifender Psychotherapie. 2. Auflage. Paderborn: Junfermann.
Robert B. Dilts, 2001. Die Magie der Sprache. Sleight of mouth, Angewandtes NLP. Paderborn: Junfermann
Ken Wilber, 1984. Wege zum Selbst. München.

Autorin dieses Artikels: Christina Rakebrandt