Übungsqualitäten: erlebnis-, konflikt- und übungszentriertes Arbeiten

Schlagworte

Methoden, erlebniszentriert, konfliktzentriert, übungszentriert

Einsatz in der CoreDynamik

Ab Ausbildungsmodul 1.1: Kontakt – die Variation dieser drei Übungsqualitäten ist Teil des didaktischen Bogens

Definition

Erlebnis-, konflikt- und übungszentriertes Arbeiten sind die drei Grundspielarten der Didaktik bei erfahrungsorientiertem Lernen.

Erläuterung

Erlebniszentriertes Arbeiten Ziel: Neue Dimensionen von Erfahrung erschließen oder vertiefen Beispiele aus der CoreDynamik: Gefühlsparcours, Stockübung, Atemreise Beim erlebniszentrierten Arbeiten werden Teilnehmerinnen oder Klienten angeleitet, ein neues Erfahrungsfeld zu erforschen. Der Fokus liegt dabei auf dem bewussten Spüren körperlicher, emotionaler und mentaler Regungen und Reaktionen, um das Bewusstsein um neue Dimensionen der Wahrnehmung und Verarbeitung zu erweitern. Durch die Reflexion in der Dokumentation der Erfahrung und im Austausch wird die Erfahrung gedeutet und eingeordnet und wird so Teil des Bezugsrahmens einer Person. Wenn ich in der Stockübung zum ersten Mal meinen Raum und meine Grenze durch eine Bewegung, ein lautes „Sat“ und den direkten Blick in die Augen meines Gegenübers beansprucht und nach außen konstatiert habe, wird mir diese Erfahrung helfen, auch ohne Stock einer Person im Alltagsleben zu zeigen: „Stopp. Bis hierhin und nicht weiter.“ Im Gegensatz zu rein kognitiver Erkenntnis, sind Erlebnisse mit Emotionen verknüpft. Und je stärker die Emotion, um so nachhaltiger ist die Erfahrung verankert und wirksam.

Konfliktzentriertes Arbeiten Ziel: Persönliche Konzepte und Grenzen ausloten und ausdehnen oder stärken, Integration abgespaltener Gefühle und Impulse Beispiele aus der CoreDynamik: Wutarbeit, Polaritätenintegration, Beziehungsklärung, Schattenarbeit Konfliktorientiertes Arbeiten ist dadurch gekennzeichnet, dass Teilnehmer und Klientinnen eingeladen, gelockt, ermutigt und provoziert werden, ihren Gefühlen und Regungen einen freieren Ausdruck zu verleihen. In der Wutarbeit geht das über das Ermutigen zu Stimme und Kraftausdruck in einem Rahmen, wo dies sicher möglich und explizit erlaubt ist und in dem es nicht um Zerstörung geht, sondern um ein Freisetzen der innewohnenden Kraft und Selbstbestimmung. In Arbeiten wie der Polaritätenintegration, Beziehungsklärung oder Schattenarbeit werden Themen angeschaut, gegen die ein Widerstand existiert, die in einem scheinbaren Widerspruch zu persönlichen Werten stehen oder durch innere oder äußere Konzepte „verboten“ sind. Ziel ist es, die allem innewohnende Lebendigkeit in ihrer universellen Existenzberechtigung freizulegen. Mit dieser wertfreien Betrachtung kann die Integration von bislang Abgelehntem geschehen, indem es einen Raum und einen Ausdruck im persönlichen Kosmos des Möglichen findet.

Übungszentriertes Arbeiten Ziel: Vertiefung, Verankerung und Verselbstständigung von neuen Mustern des Denkens, Fühlens und Verhaltens Beispiele aus der CoreDynamik: Zentrierung, Pacing- und Leading, Meditation, eigene Rituale, neue Skriptbotschaften Entwicklung geschieht langsam und in Sprüngen und durch erlebnis- und konfliktzentriertes Arbeiten. Die Früchte der Arbeit nicht nur in dem Moment zu genießen, sondern auch zu Marmelade zu verarbeiten und so in den Alltag hinüberzutragen geschieht durch üben, üben, üben. Neue Erkenntnisse und Erfahrungen schaffen neue synaptische Verknüpfungen im Gehirn. Damit diese in Zukunft anstelle der alten Verarbeitsungs- und Reaktionsmuster zum Einsatz kommen, müssen sie gestärkt werden. Dies geschieht durch Wiederholung. Im Rahmen der Ausbildung beginnen wir regelmäßig mit der Zentrierung der Wahrnehmung auf den Atem, das Körperbewusstsein und die Verbindung mit unten, oben und dem Raum in der Umgebung. Pacing- und Leading werden in verschiedenen Ausführungen in den unterschiedlichsten Begleitungssettings geübt, von „Was ist Jetzt …“ bis zu Spiegeln, Doppeln und Verstärken oder provokativen Interventionen. Die Teilnehmenden beeinflussen selbst, wie aufmerksam sie eine Praxis wie eine Meditationsform oder eine neue Skriptbotschaft wie „Ich darf das!“ in ihrem Alltag wiederholen und verankern.

Besonderheiten in der CoreDynamik

CoreDynamik legt großen Wert auf erfahrungsorientiertes Lernen. Die ersten beiden Ausbildungsjahre sind so aufgebaut, dass Selbsterfahrung den größten Raum einnimmt. Theoretisches Wissen wird flankierend vermittelt, um einen Orientierungs- und Verständnisrahmen für die eigene Erfahrung zu schaffen und das Übertragen des Erlebten auf größere Zusammenhänge, sowie die berufliche Anwendung dessen vorzubereiten. Im dritten Jahr kehrt sich die Gewichtung um und die Wissensvermittlung bildet den Schwerpunkt gegenüber dem eigenen Forschen. Erfahrungsorientiertes Sequenzen dienen jetzt dazu, den persönlichen Bezug zum Gelernten aufrecht zu erhalten, bzw. herzustellen.

Fragen

  • Wo sind Rituale einzuordnen? Wirklich Erlebniszentriert oder doch Übungszentriert?
  • Die drei Übungsqualitäten können methodisch kombiniert werden oder eine Methode kann gemäß der einen oder der anderen Qualität angewendet werden. Rituale sind ein gutes Beispiel dafür. Das Erforschen neuer Dimensionen von Erfahrung wird durch einen sicheren Rahmen begünstigt, der wie ein Labor für ein Experiment dient. Einen sicheren Rahmen bietet zum Beispiel der rituelle Charakter einer Übung, in dem die Abfolge vorher fest steht und bewusst ein Raum der Transformation, des Übergangs in eine neue Entwicklungsstufe bereitet und betreten und bewusst wieder geschlossen wird. Das ist sowohl für erlebnis-, als auch für konfliktzentrierte Methoden eine gute Voraussetzung, weil Teilnehmer sich besser einlassen können, wenn sie Orientierung haben und sich darin sicher fühlen können. Bei CoreDynamik entwickeln Teilnehmerinnen eigene Rituale, die sie mit nach Hause nehmen können. Hier ist kommt der übungszentrierte Charakter zur Geltung.

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Autorin dieses Artikels: Christina Rakebrandt